Block von heute (19.08.)

Langsam wird es still auf dem Platz. Die Woes und Juffis sind bereits vor einer Stunde von uns gegangen. Wir haben eine leise Vorahnung, wir haben eine leise Vorahnung, dass bald auch die Pfadis nicht mehr unter uns weilen. Trauer breitet sich aus in unseren Herzen. Die Luft ist bedeckt von dichtem Rauch. Im Hintergrund hoeren wir nur noch die Kettensaege beim Zerschneiden. Ein beunruhigender Duft von Aceton macht sich breit, da den Rovern Koerperbemalungen entfernt werden. Alle sind leicht bekleidet und es herrscht eine beunruhigend ruhige sommerliche Atmosphaere. Zum Mittagessen bekamen die Rover und Mitarbeiter heisse Hunde zum Frass vorgeworfen. Ein Hauch von Maennerschweiss liegt in der Luft, der um uns herum hart erarbeitet wird. Sein Bro isst Salzstangen, jedoch lieber Haribos, damit sie noch fetter wird, sagt er. Simon zieht vor dem letzten Bild der Einwegkamera blank, was auf tiefe Abneigung stoesst. Andere vermissen schon jetzt ihren besten Freund. Angst, Beklemmung, Sonne, leicht bewoelkter Himmel, Trauer, Abschied, Essen, Nagellack, Feuer, harte Kritik, schuftende Maenner, ein Tisch, fuenf Baenke, links von uns ein tiefes Loch, hinter uns eine schwarze Wand, umringt von Baeumen. Der Transporter faehrt vor, die letzten werden abgeholt. Traenen werden unterdrueckt, Abschiedsumarmungen, Trauer, Kuesse, ploetzliche Freiheit. Wolken ziehen auf doch die Sonne gewinnt den Kampf. Jetzt ist es still auf dem Platz. Rover und Mitarbeiter koennen ihre Einsamkeit geniessen.

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4 Gedanken zu „Block von heute (19.08.)

  1. Das klingt ja alles sehr survivalmäßig. Wo ist die heile Welt von Michel aus Lönneberga? Ach ja, vor ein paar Tagen wurde auch schon im Lager geschnitzt. Wahrscheinlich eine Strafmaßnahme.
    Wenn Ihr jetzt alle so gut in der Gartenarbeit seid, könnte ich Euch ein weiteres Betätigungsfeld in Essen anbieten. Damit Ihr künftig auch nichts vermissen müßt. Und im Garten unseres Nachbarn gibts´einen riesigen Baum, der schreit förmlich nach einer Kettensäge…Zur Unterstützung der körperlichen Kraft würde ich Knäckebrot, Knäckebrot und Knäckebrot mit einem Stück Salami anbieten.
    — Danke für die täglichen Lagerimpressionen, die nach viel Spaß und eben survival klingen.
    Alter Schwede, macht´s gut!
    Andrea Macher

  2. zu der Baumfällaktion möchte ich noch ergänzend hinzufügen:

    Der Holzfäller freut sich
    abends auf sein
    Gehacktes

  3. Text eher für Eingeweihte, aber trotzdem: Wow!

    • Der Text ist angelehnt an den Roman „Tauben im Gras“ und sollte ursprünglich ohne Satzzeichen veröffentlicht werden, was die Redaktion jedoch nicht erlaubte. Es sind die Gedanken, Geräusche und Gerüche die man so in einem Lager wahrnimmt. So soll der Leser sich besser einfühlen können. Meint zumindest Koeppen.

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